24
Nov
2011

the duck test

The question is: If it walks like a duck and quacks like a duck, is it a duck?

Die Logik des sogenannten duck test ist ebenso simpel wie verfänglich: Wenn etwas watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es eine Ente. Oder nicht?

Der duck test gilt als wesentlicher Bestandteil unseres intuitiven Handelns, auch wenn wir ihn meist unbewusst anwenden, um Dinge und Personen zu definieren. Unser Kopf gleicht dabei einem enormer Schrank mit alphabetisch angelegten Schubladen, in dem unendlich viele Karteikärtchen liegen. Die ziehen wir ständig auf und zu und lesen nach: Wer ein Rad schlägt, ist ein Pfau. Wer sich auf die Brust schlägt und jedem Rock hinterhersteigt, ein oberflächlicher Affenarsch. Wer nicht zurückruft, hat a) eine Freundin b) sein Handy verloren oder c) unergründliche Probleme.

Wir modifizieren unseren persönlichen duck test ständig. Multiplizieren unsere Erfahrung hinein und fütten ihn mit neuen Definitionen aus dem Medienpuff und sämtlichen Popkultur-Klischees.

Und jeden Tag gehen wir vor die Tür und spielen "Was bin ich?". Wir denken, wenn wir dieses und jenes tun, tragen, sagen, machen oder posten, dann sehen und beurteilen uns die anderen so und so. If I walk like a duck and quack like a duck, then I am a duck.

Wir glauben fest daran, dass wir beeinflussen können, was ein anderer über uns denkt. Und das ist unwahrscheinlich arrogant. Und gleichzeitig herrlich naiv. Bei dem ganzen "Was bin ich?"- Karneval vergessen wir, dass wir meist noch nicht einmal wissen, wie wir eigentlich genau selbst sind. Was wir überhaupt sein wollen.

1964 veröffentlichte ein Psychiater namens Eric Berne ein Buch mit dem Titel "Spiele der Erwachsenen." Berne stellte fest, dass jedes Spiel, egal wie unerfreulich es ist, einem oder beiden Spielern einen bestimmten Gewinn bringt. Und je mehr Spiele wir im Umgang mit anderen selbst spielen, umso mehr gehen wir auch davon aus, dass die anderen es tun.

Vielleicht machen sie sich aber gar nicht soviel Gedanken um uns oder ganz andere Gedanken, als wir glauben. Da könnten wir uns doch gleich mal wieder ein bisschen lockerer machen und so sein, wie wir gerade lust haben. Nicht zurückrufen. Einfach abhauen und keinem Bescheid sagen. Schweigen, wenn man will. Ein Rad schlagen, wenn man sich danach fühlt. Jedem Rock hinterhersteigen, wenn die Röcke es sich gefallen lassen.

Vielleicht würden wir uns dann endlich freier fühlen, so frei, wie wir es uns doch immer wünschen. Und nicht mehr so unendlich gelangweilt, weil wir gauben, schon zu wissen, wie der Hase läuft. Weil wir Spiele spielen und zwischendurch noch schnell auf unsere Karteikarten schauen: If it walks like a duck and quacks like a duck, it has to be a duck!

Wir sollten das lassen. Oder wenigstens warten, um zu schauen, ob die vermeintliche Ente wenigstens schwimmen kann.

Quak, quak.

12
Okt
2011

into the wild

Für die einen mag es irrelevant erscheinen, doch für viele ist es wahrscheinlich die drängendste, ja, eventuell quälendste Frage der Welt. Sie wurde wahrscheinlich schon in allen Sprachen dieser schönen Welt gen Himmel geflucht, in den Äther geflüstert oder einfach nur leise bei sich gedacht.

Es ist die Frage nach dem "When will I get over myself?" - zu deutsch: "Wann schaffe ich es, mich selbst zu überwinden?" oder weniger theatralisch, dafür umso bildlicher: "Wann lasse ich es endlich sein, mir hinterrücks und unkontrollierbar selbst in beide Beine zu schießen?"

Jeder tut es, ein paar wenige wissen es und kaum einer redet darüber: Die ewige Selbst-Sabotage.

Verbringen wir doch den ganzen Tag, ja beinahe unser gesamtes Dasein damit, uns optisch, beruflich, technisch oder auch charakterlich aufzurüschen, so kommt doch für jeden in treffenden Krisensituationen die Stunde der persönlichen Wahrheit. Die Stunde, in der sich das Ego selbst die Hose runterzieht und vor laufender Kamera gegen die Linse pinkelt. Die Stunde, in der wir wissen: Wir haben uns wieder komplett und in aller Öffentlichkeit dem eigenen Versagen hingegeben. Und allen bestätigt, dass wir noch lange nicht über uns selbst hinweg sind. Vor allem uns selbst.

Nun können wir alle nach diesem Scheitern an unserem unkontrollierbaren, undurchschaubaren Ego ein fettes, schwarzes *quod erat demonstrandum* an die Zimmerdecke kritzeln. Oder wir kaufen Selbsthilfebücher, machen tausendundeine Whatsoever-Therapie und verdrehen die Tatsachen einfach auf eine überteuerte, aber hippe Lebens-Art.

Es bleibt noch eine weitere Option. Eine weitere Tür, durch die wir gehen können. Dahinter ist nichts, nur wir und der reale, tatsächliche, kompromisslose Versuch, genau das zu werden, was wir uns tief und innig wünschen zu sein. Und das kann wahnsinnig nerven. Bedrücken. Es kann unglaublich schmerzen. Erregen. Beflügeln.

Aber trotzdem sind wir eines - nämlich mittendrin statt nur dabei.

28
Sep
2011

writer's dilemma

Eigentlich sollte hier heute ein kleiner, zusammenhängender, in sich geschlossener Text entstehen. Aber da ein Text auch immer Produkt eines jeweilig Schreibenden ist, der sitzt und denkt und grübelt und streicht und wieder grübelt, ja, genau wegen dieses einen Schreibenden haut es auch einfach mal, verdammt nochmal, nicht hin.

Und es ist beim Schreiben wie mit so vielen Dingen - fehlt die Richtung, fehlt das Streben, fehlt die vollkommene Hingabe zum Schreiben an sich, dann sollte man es an gewissen Tagen einfach lassen, denn dann entstehen Texte und Worte, die von oberflächlichen Floskeln, von angerissenen Umständen und von halbgedachten Lehrsätzen überquellen; die nichts leisten, als eventuell noch ein wenig zu amüsieren oder auch zu deprimieren.

Es ist doch dann beim Schreiben, wie beim Reden: wenn man gerade nichts zu sagen hat, sollte man gepflegt den Schnabel halten und nicht noch eine Oberflächlichkeit mehr in die Welt werfen. Wenn man nicht weiss, worüber genau man redet, dann sollte man sich zunächst vertiefen in das, worüber es einem zu reden oder zu schreiben trachtet.

Denn es ist nicht so, dass das Schreiben nur ein Setzen von Wörtern und Gedanken ist, es ist der schriftliche Ausdruck eines in sich - zumindest augenblicklich - ruhenden Selbst. Und wenn dieses Selbst im Moment des Schreibens ein Rasendes ist, wenn im Geist kein Stein mehr auf dem anderen liegt und sich kein Fokus einstellen will, dann gilt es, vom Tisch wegzutreten, abzulassen, sich zu finden und es später erneut zu versuchen.

Und so ist das Schreiben-Wollen, das Versuchen eines Textes auch immer eine Probe auf das eigene, geistige Exempel. Das Nicht-Bestehen dieser Probe lässt den Schreibenden wissen, dass er nicht soweit ist, heute nicht, jetzt noch nicht.

Wenn man also über das Leben im Allgemeinen und seine Spielereien im Besonderen schreiben will, dann sollte man das Leben wohl auch erst tatsächlich leben, für den einen Tag, an dem man darüber schreiben will oder idealerweise darüber hinaus. Sonst ist man mittendrin, doch nicht dabei.

Und so heisst es heute: Weg vom Tisch. Aufstehen. Ablassen. Loslassen.

Morgen ist ein neuer Tag. Zum Leben. Zum Sterben. Zum Schreiben.

12
Sep
2011

dancer in the dark

Wahrscheinlich stellt man sich an jedem Tag bis an die tausend Fragen. Wie spät, wohin, mit wem und was ist bloss los? Wie lange noch, wie oft noch, warum eigentlich und was wäre wenn? Soll ich oder soll ich nicht? Will ich oder will ich nicht? Bin ich oder bin ich nicht?

Und auch wenn sie uns jeden Tag aufs Neue in den Ohren klingeln, unsere Fragen, so scheint es oft, wir stellten sie uns zum allerersten Mal. Dabei haben wir beinahe jede dieser Fragen doch schon zu hundertmal geklärt. Vor allem die mit dem Was und dem Wäre und dem Wenn. Weil wir eben meistens hinterher nicht schlauer sind als vorher.

Aber das liegt gar nicht so sehr daran, dass wir unbelehrbare Dummerchen sind, die ihre Erfahrung nicht zu melken wissen. Es ist vielmehr eine Tatsache, dass in unseren Fragen wahnsinnig viele Unbekannte stecken und wir nur sehr wenige wahrheitsgemäß beantworten können. Natürlich, manche Fragen können wir tatsächlich direkt mit der Realität abgleichen. Uhrzeit, Wetter, Kontostand und den ganzen restlichen unwesentlichen Kram. Aber gerade die Fragen, die in Abhängigkeit zu anderen stehen, Fragen nach dem Leben und der Liebe und der Freiheit, dem Sex, den Drugs, und dem Rock und dem Roll lassen sich kaum sicher beantworten.Zu viele große Unbekannte.

Man könnte also festhalten, dass es sich wahrscheinlich eher um Schätzungen handelt, die man da jeden Tag aufs Neue für sich selbst in schwindelnde Höhen treibt. Aber warum nicht einfach mal die vielen Fragezeichen stehen lassen und mit Ihnen tanzen, einen offenen Tanz mit den vielen großen Unbekannten im eigenen Leben. Befreiend wäre das. Berauschend.

Und keine Sorge: Die Antworten auf die besten und bestürzendsten Fragen im Leben, weiss man meist in dem Moment, in dem man sie stellt. Bin ich noch da? Bin ich zuhause? Bin ich frei?

Will ich tanzen?

Ja, ich will.
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mixthe88 - 21. Jul, 19:36
hahaha, borderlinemäßig...
hahaha, borderlinemäßig werte ich jetzt...
woodstock1982 - 4. Jul, 17:27

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